MIT-Konjunkturbrief Mittelstand aktuell Juni 2026

Datum des Artikels 05.06.2026
Bund aktuell

Nach dem Hormuz-Schock konnte der freie Fall der deutschen Wirtschaft abgewendet werden. Im Mittelstand haben die Umsätze zuletzt sogar etwas zugelegt, die Auftragsbücher der Unternehmen bleiben vergleichsweise gut gefüllt und es werden wieder mehr neue Unternehmen in Deutschland gegründet. Der Absturz des Geschäftsklimas bei KMU ist erst einmal aufgehalten. Allerdings bleibt die Lage dramatisch. Der Irankrieg erschütterte die Wirtschaft gewaltig. Die erhöhten Spritpreise treiben Inflation und Produktionskosten, der Außenhandel ist deutlich beeinträchtigt. Das internationale Umfeld bringt immer mehr Unternehmen an die Belastungsgrenze. Hinzu kommen Arbeitskosten, die schneller steigen als das Preisniveau. Zu viele Unternehmen müssen Insolvenz anmelden oder sehen sich in ihrer Existenz bedroht. Die Arbeitslosigkeit steigt und die Unternehmen planen weiteren Stellenabbau. Obwohl Investoren aus den USA zuletzt wieder Vertrauen in den Standort Deutschland gewonnen haben, finden Auslandsinvestitionen immer seltener den Weg nach Deutschland. Die Regierung muss rasch die Zuversicht bei Investoren und Unternehmern im In- und Ausland stärken. Mit mutigen Reformen müssen Steuern, Lohnnebenkosten und Bürokratie gesenkt werden.

Wirtschaftsleistung: Nach dem leichten Wachstum zum Jahresende 2025 ist die deutsche Wirtschaft positiv ins Jahr 2026 gestartet. Die Exporte stützten die Wirtschaftsleistung, das BIP hat in Q1 um 0,3% zugelegt (Destatis 22.05.26). Die Produktion war leicht gesunken und lag zuletzt um 2,8% unter Vorjahresniveau (Destatis 08.05.26). Auch der Lkw-Fahrleistung, ein wichtiger Frühindikator, war zuletzt rückläufig (Destatis 08.05.26). Im Mittelstand haben die Umsätze zwar etwas zugelegt, eine Trendwende ist aber nicht in Sicht (DATEV 21.05.26). Für das laufende Jahr kann mit einem leichten BIP-Wachstum von 0,5% gerechnet werden (2027: 0,8%) (SVR 27.05.26).

Auftragslage: Der Auftragseingang ist im März um 5,0% gestiegen und erreichte (bereinigt um die volatilen Großaufträge) das höchste Niveau seit Februar 2023 (Destatis 07.05.26). Der Bestand an Aufträgen lag im März um ganze 8,4% über dem Vorjahresniveau (Destatis 20.05.26).

Insolvenzen und Gründungen: In Westeuropa haben die Insolvenzzahlen 2025 den höchsten Stand seit mehr als 20 Jahren erreicht (Creditreform 05.05.26). In Deutschland gab es zuletzt im Februar um 0,7% weniger Insolvenzen als im Vorjahresmonat (Destatis 22.05.26). Laut IWH-Prognose gab es im April allerdings um 10% mehr Insolvenzen als im Vorjahresmonat – das waren über 80% mehr als in durchschnittlichen Vor-Corona-Jahren (IWH 05.05.26). Die vollständigen Gewerbeaufgaben lagen in Q1 2,0% unter Vorjahresniveau (Destatis 13.05.26). 8,1% der Unternehmen in Deutschland sehen den eigenen Fortbestand gefährdet (ifo 11.05.26). Hingegen wurden 2025 2,8% mehr größere Betriebe gegründet als im Vorjahreszeitraum, die Gesamtzahl der Neugründungen lag um 10,1% höher (KfW 19.05.26).

Preisentwicklung: Die Inflationsrate lag im April bei 2,9%, das waren 0,2 Prozentpunkte mehr als im Vormonat. Im Februar lag sie noch bei 1,9%. Infolge des Iran-Konflikts schlagen die erhöhten Kraftstoffpreise auf das Preisniveau durch (Destatis 12.05.26), im März lagen sie um 20,0% über Vorjahresniveau (Destatis 07.05.26). Ohne die von der Bundesregierung beschlossene Senkung der Steuern auf Kraftstoff, die weitgehend an die Verbraucher weitergegeben wurde (MK 12.05.26), wäre die Preissteigerung noch höher ausgefallen. Derzeit planen aber weniger Unternehmen, ihre Preise anzuheben (ifo 29.05.26). Für das Gesamtjahr dürfte die Inflation bei rund 3% liegen (SVR 27.05.26).

Arbeitsmarkt: Die Arbeitslosenquote sank im Mai um 0,1 Prozentpunkte auf 6,3% (ILO-Erwerbskonzept: 3,9%) (BA 29.05.26). Die Reallöhne lagen in Q1 um 1,8% über dem Vorjahresquartal (Destatis 28.05.26). Das ifo-Beschäftigungsbarometer stieg im Mai an, jedoch wollen immer noch mehr Unternehmen Stellen abbauen als aufbauen (ifo 27.05.26).

Außenwirtschaft und Lieferketten: Der Außenhandel war zu Jahresbeginn wichtige Stütze der Wirtschaftsleistung (Destatis 22.05.26). Im März lagen die Exporte um 1,9 % und die Importe um 7,2% über Vorjahresniveau (Destatis 08.05.26). Angesichts der Sperrung der Straße von Hormus ist im April der weltweite Containerumschlag gesunken (RWI/ISL 29.05.26), die Stimmung in der Exportwirtschaft hat sich verschlechtert (ifo 26.03.26) und die Beschaffungsprobleme sind gestiegen (ifo 02.06.26).

Investitionen und Standort Deutschland: 2025 haben ausländische Investoren 10% weniger Investitionen in Deutschland angekündigt als im Vorjahr. Damit wurde der der niedrigste Stand seit dem Krisenjahr 2009 erreicht. Allerdings stieg erstmals seit 2018 die Zahl der Investitionsprojekte aus den USA wieder an (EY 21.05.26). Seit rund einem Jahrzehnt nehmen die Bildungsleistungen deutscher Jugendlicher ab, der Anteil junger Erwachsener ohne Berufsabschluss steigt. Die jüngste PISA-Studie weist das niedrigste Leistungsniveau seit Beginn der Tests auf (KfW 07.05.26). Die MINT-Fachkräftelücke betrug im März rund 133.900 Personen (Gesamtmetall 05.05.26).

Geschäftsklima: Nach zwei deutlichen Rückgängen in Folge stabilisiert sich das mittelständische Geschäftsklima im Mai. Dabei tragen sowohl die Lagebeurteilung als auch die Geschäftserwartungen zur leichten Stimmungsaufhellung bei (ifo 28.05.26).

Mehr zum Thema