Forschung und Innovation sind Kernanliegen mittelständischer Unternehmen in Deutschland. Ihre Wettbewerbsfähigkeit beruht auf Erfindungen, Know-how und betrieblich-technischen Anwendungen, die sie allein, mit Forschungseinrichtungen und Dienstleistern oder mit anderen Unternehmen zusammen entwickeln. Spezielle Programme der Bundesregierung unterstützen Forschungs- und Innovationsprojekte mittelständischer Unternehmen. Die wichtigsten Programme sind neben kleineren Programmen wie z. B. Innokomm und IGP:
- das Zentrale Innovationsprogramm für den Mittelstand (ZIM) und
- die Industrielle Gemeinschaftsforschung (IGF).
ZIM und IGF sind Teil der Hightech-Agenda der Bundesregierung. Sie wurden als besonders leistungsfähige Programme für Forschung und Innovation im Mittelstand von der Bundesregierung gelobt und in der Hightech-Agenda als förderwürdig eingestuft. Diesen Programmen droht mitten in einer der größten Wirtschaftskrisen eine weitere drastische Kürzung ihres Haushaltstitels im Bundeshaushalt 2027 und in der mittelfristigen Finanzplanung des Bundes. Für das Haushaltsjahr 2027 hat der Bund z. B. nur noch 165,3 Mio. € für die IGF geplant. Die Fördersumme ist seit Jahren rückläufig. 2020 betrug sie noch 201 Mio. €. Das ZIM-Programm wurde um 19 Mio. € auf 539 Mio. € reduziert. Ein Antragsstopp für ZIM-Projekte wurde bereits ausgesprochen und ein Auszahlungsstopp für in 2026 neu bewilligte IGF-Projekte ist ebenfalls verhängt worden. Gerade jetzt werden jedoch Wachstumsimpulse dringend benötigt!
Im IGF-Programm leisten industriegetragene Forschungsvereinigungen seit 1954 mit ihren Forschungsprojekten Beiträge zur wirtschaftlichen Entwicklung unseres Landes. Sie sind gemeinnützig und wegen ihrer hohen Branchenkompetenz F&E-Schrittmacher in Deutschland und weltweit. Industrielle Forschungsvereinigungen formulieren und bündeln industrielle und gewerbliche Bedarfe, schärfen Fragen, bringen Partner zusammen und sichern den Transfer von Forschungsergebnissen für die betriebliche Anwendung. Sie sind damit „das Betriebssystem“ des IGF-Förderprogramms. Im Gegensatz zu anderen staatlichen Förderprogrammen stehen die Ergebnisse der IGF vorwettbewerblich allen Marktteilnehmern offen. So haben auch mittelständische Unternehmen ohne eigene Forschungskapazitäten Zugang zu anwendungsnaher Forschung. Dabei geht es nicht immer um Spitzentechnologie, sondern um Anwendungen, ohne die auch Spitzentechnologie nicht funktioniert: Anlagensteuerung, Lebensmitteltechnik, Pflanzenzüchtung, Prozess- und Verfahrenstechnik, Schweißen oder Werkstofftechnik sind nur einige von vielen Beispielen.
Das ZIM-Programm ist jünger und richtet sich vorwiegend an einzelne Unternehmen mit ihren Projekten und Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten. Die Förderung zielt auf innovative Produkte, Verfahren und technische Dienstleistungen ohne Einschränkung auf bestimmte Technologien oder Branchen. Im Mittelpunkt steht die Innovationskraft und damit die Wettbewerbsfähigkeit mittelständischer Unternehmen, des Handwerks und der unternehmerisch tätigen freien Berufe einschließlich der Start-ups. Das ZIM soll zum volkswirtschaftlichen Wachstum beitragen, insbesondere durch die Erschließung von Wertschöpfungspotenzialen und die Stärkung anwendungsnahen Wissens im Mittelstand. Zahlreiche Erfolgsbeispiele zeigen die Wirkung des ZIM-Programms auch unter sich ändernden Rahmenbedingungen: Effiziente Heiz- und Belüftungssysteme, integrierte Prüftechnik für Leistungshalbleiter oder selbstlernende Neuro-Rehabilitationssysteme sind nur einige Beispiele des breiten Anwendungsspektrums von ZIM für mittelständische Unternehmen.
Die Fördermittel im ZIM- und IGF-Programm schrumpfen, der personelle Aufwand steigt, ein Inflationsausgleich findet nicht statt, Antragsverfahren werden immer bürokratischer und sind wenig digitalisiert. Die Forschungsinfrastruktur in Mittelstand und Industrie wird so weiter geschwächt. Der Zugang von kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) zu branchengestützten Forschungskapazitäten wird immer geringer. Die über Jahrzehnte aufgebauten Netzwerke drohen mehr und mehr auseinanderzubrechen, weil der Bund nur ein halbherziges Bekenntnis zur Förderung der industriegetragenen Forschung im Mittelstand abgibt. So lässt sich ein zukunftsweisender Beitrag für ein nachhaltiges Wachstum in Deutschland nicht generieren.
Die Mittelstands- und Wirtschaftsunion (MIT) fordert:
- die Transformation von Forschungsergebnissen in die betriebliche Anwendung als Wachstumstreiber in den Fokus zu nehmen.
- den breiten Zugang von mittelständischen Unternehmen zur IGF und zum ZIM durch eine praxisgerechte „KMU-Definition“ zu sichern; etwa durch eine Anhebung der maximalen Jahresumsätze.
- die Fördermittel der IGF für 2027 mindestens auf dem Niveau 2026 beizubehalten und perspektivisch deutlich zu steigern.
- die Barmittel für die Förderung genehmigter IGF-Projekte wieder zu erhöhen.
- den Antragsstopp für ZIM schnellstmöglich aufzuheben. Die Fördermittel sollten perspektivisch spürbar angehoben werden.
- das Wirkprinzip der IGF zu gewährleisten: Die IGF muss vorwettbewerblich, themenoffen und unternehmensübergreifend bleiben. Forschungsfragen sollen aus den realen Bedarfen der Branchen und Wertschöpfungsketten entstehen.
- die Rolle der Forschungsvereinigungen in einer neuen Förderrichtlinie im IGF-Programm als Leistungsträger zwischen industriellem Bedarf und Forschungseinrichtungen zu gewährleisten und zu stärken: Gemeinnützige Forschungsvereinigungen sollen weiter die zentrale Verantwortung für Bedarfsermittlung, Themenfindung, Unternehmensbeteiligung, Projektkoordination, Finanzmanagement, Nachweisführung und Transfer tragen.
- die Verzahnung der Mittelstandsprogramme von IGF und insbesondere ZIM. Sie könnte hohe Synergieeffekte erbringen, weshalb ein „Fast Track“ für diese Projekte sinnvoll ist.
- die Förderung von industriellen Innovationen insgesamt neu zu bewerten und zukünftig mehr Mittel für anwendungsnahe und schnell realisierbare Wertschöpfung für industrielle Innovationen einzuplanen.
Die MIT unterstützt den Abbau der Förderbürokratie, die Digitalisierung und die stärkere Anwendungsorientierung, die von der Bundesregierung angestrebt werden. Damit Mittelstandsprogramme wie ZIM und IGF auch künftig im Mittelstand wirken können, brauchen die Programme ausreichende Mittel und verlässliche Strukturen.

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