Begründung:
Die Bildungsstätten des Handwerks leisten für die deutsche Wirtschaft und Gesellschaft einen wesentlichen Beitrag. In ihnen findet die überbetriebliche Ausbildung statt, wodurch sie die duale Ausbildung sicherstellen. Zusätzlich halten sie Angebote für Fort- und Weiterbildung – etwa Vorbereitungslehrgänge auf die Meisterprüfung – sowie Anerkennungsverfahren für ausländische Berufsabschlüsse vor. Sie verfügen über keine Regelfinanzierung und sind für die notwendigen Investitionen in moderne Werkstätten, Maschinen und digitale Ausstattung auf Förderprogramme angewiesen.
Geplanter Rückgang der Fördermittel trotz fortbestehendem Investitionsstau
Nach dem erfreulichen Aufwuchs im Haushalt 2026 sehen die aktuellen Planungen für 2027 bei BMWE und BMBFSFJ wieder einen Rückgang der Investitionsförderung vor. Die Gesamtförderung sinkt von 166 Mio. Euro (2026) auf 145 Mio. Euro (2027), obwohl gemessen am Investitionsstau bis 2030 ein kontinuierlicher Aufwuchs auf rund 220 Mio. Euro jährlich nötig wäre, um den Investitionsstau abzubauen und beruflicher Bildung zumindest eine angedeutete Gleichstellung mit der akademischen zu ermöglichen. Die Forderung, den Aufwuchs über das Sondervermögen zu finanzieren, wurde von Bundestag und Bundesfinanzministerium bereits abgelehnt. Angesichts der angespannten Haushaltslage von Bund und Ländern – die zudem einen Co-Finanzierungsanteil leisten müssen, in Bayern etwa 35 Prozent – bleibt die reguläre Erhöhung der Haushaltsansätze der einzige realistische Weg, damit Kammern und Verbände ihren gesetzlichen Bildungsauftrag erfüllen können.
Ausmaß des Investitionsstaus und wachsende Anforderungen an die Bildungsstätten
Der aktuelle Investitionsstau beträgt auf Bundesebene rund 3,8 Milliarden Euro an vorliegenden Förderanzeigen der Handwerkskammern und Fachverbände bei BMWE und BMBFSFJ. Auch vor den Bildungsstätten des Handwerks macht der Sanierungsstau nicht halt. Hinzu kommen neue Themenstellungen wie verschärfte Brandschutzkonzepte, energetische Optimierungen sowie der Aufbau moderner KI-Infrastrukturen – leistungsfähige Hard- und Software, sichere Datenräume und Anwendungen für Aus-, Weiter- und Fortbildung. Zugleich befinden sich viele klassische Ausbildungsberufe des Handwerks in einem tiefgreifenden Wandel: Arbeitsprozesse werden zunehmend durch Robotik, digitale Anwendungen und KI-gestützte Systeme ergänzt, und die Tätigkeitsfelder vieler Handwerksberufe erweitern sich um neue, bislang berufsfremde Dienstleistungen. Entscheidend sind dabei nicht allein einmalige Investitionen in neue Technologien: Robotische Anlagen und digitale Systeme verursachen fortlaufende Kosten für Wartung und Instandhaltung, und Ausbilderinnen und Ausbilder müssen kontinuierlich fortgebildet werden.
Steigende Ausbildungszahlen erhöhen den Handlungsdruck
Erfreulicherweise verzeichnet das Handwerk 2026 bundesweit das vierte Jahr in Folge steigende Neuvertragszahlen: Zwischen Januar und Juni 2026 wurden bereits rund 67.800 neue Ausbildungsverträge abgeschlossen – ein Plus von 4,9 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum und der höchste Juni-Wert seit 2018 (Quelle: n-tv.de, „Ausbildungszahlen im Handwerk steigen weiter“, 2026). Zugleich fordert der Zentralverband des Deutschen Handwerks selbst mehr Mittel für die Bildungszentren und kritisiert die geplanten Kürzungen – ein zusätzlicher Beleg für die Dringlichkeit des hier beschriebenen Investitionsbedarfs. Die wachsende Zahl an Auszubildenden erhöht überdies die Auslastung der Bildungsstätten – ein Rückgang der Fördermittel wäre zum jetzigen Zeitpunkt das falsche Signal. Die häufig betonte Gleichwertigkeit beruflicher und akademischer Bildung muss sich endlich auch in einer verlässlichen, zeitgemäßen Finanzierung der Bildungsstätten des Handwerks widerspiegeln.
Bildungsstätten als Brücke in den Arbeitsmarkt
Bildungsstätten wirken über die Erstausbildung hinaus. Ein Beispiel aus Hessen: Arbeitsagentur, Berufsbildungszentrum und ein Industrieunternehmen qualifizierten gemeinsam 24 Langzeitarbeitslose binnen eines Jahres im Blockmodell zu Servicetechnikern, mit Unterbringung vor Ort und überregionaler Rekrutierung. Alle wurden anschließend beschäftigt, auch ohne klassischen Berufsabschluss. Solche Modelle senken Transferleistungen und gewinnen Fachkräfte, setzen aber moderne Ausstattung und qualifiziertes Personal voraus. Investitionsförderung für Bildungsstätten ist damit auch arbeitsmarkt- und sozialpolitisch wirksam.

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